Owen in der Nationalmannschaft

Als geborener Kanadier und Sohn einer walisischen Mutter und eines englischen Vaters hatte Owen drei Möglichkeiten sich für ein Nationalteam zu entscheiden.

U21
Owen: „Ich wollte für England spielen, eine der besten und traditionsreichsten Fußballnationalmannschaften in der Welt. Denn es war immer mein Ziel bei einer Welt- oder Europameisterschaft dabei zu sein.“ Am 31. 08. 2000 trug Owen dann zum ersten Mal die drei Löwen auf der Brust.

 

Der damalige englischen U-21 Trainer Howard Wilkinson berief den damals 19-Jährigen ins Aufgebot gegen Georgien. Das Spiel in Middlesbrough endete 6:1 für den Gastgeber. Es folgten zwei weitere Einsätze bei der U21 gegen Italien und Spanien. Beides waren Freundschaftsspiele. Owen hatte also immer noch die Möglichkeit für Kanada oder Wales zu spielen, denn die Fifa-Statuten sehen vor, dass so lange der Spieler noch kein Pflichtspiel für ein Land bestritten hat, er weiterhin seine Nationalmannschaftszugehörigkeit wählen kann.

A-Nationalmannschaft
Sein erster Einsatz in der A-Nationalmannschaft fand am 15. August 2001 in London statt. Englands Nationaltrainer Sven Göran Eriksson setzte Owen eine Halbzeit im Spiel gegen Holland ein. England verlor mit 0:2.

Zwei Wochen später folgte sein zweiter Einsatz. Es war der legendäre 5:1-Erfolg im Münchner Olympiastadion gegen die deutsche Elf. Owen wurde damals in der 78. Minute eingewechselt. Da es sich bei dem Match um ein WM-Qualifikationsspiel handeltet, war nun auch von offizieller Seite festgelegt, dass Owen englischer Nationalspieler ist.

Weltmeisterschaft 2002 in Japan und Süd Korea
Als einziger Spieler, der nicht in der Premier League spielte, wurde Owen ins englische Aufgebot für die WM 2002 in Japan und Süd Korea berufen. Die Vorbereitungen auf die WM absolvierte er mit Bravour. Die beiden letzten Vorbereitungsspiele gegen Süd Korea und Kamerun bestritt Owen über die volle Distanz und wurde jeweils nach dem Spiel als bester Spieler ausgezeichnet. Somit war er für die Startelf zu Beginn der WM-Endrunde gesetzt.

Im ersten Spiel der Gruppenphase gegen Schweden spielte Owen zentral defensiv. Im zweiten Match bei der WM in Asien verletzte er sich in der ersten Viertelstunde gegen Argentinien und mußte wenig später ausgewechselt werden. Owen hatte Anfangs große Hoffnungen bald wieder spielen zu können. Der Zusammenprall mit seinem Mitspieler Michael Owen war aber so heftig, dass er nicht mehr eingesetzt werden konnte.

Owen: „Meine Verletzung wurde von Tag zu Tag besser und ich hatte Hoffnung noch vor dem Viertelfinalspiel gegen Brasilien in die Mannschaft zurückzukehren. Zwei Trainingseinheiten vor dem Match habe ich dann auch mit der Mannschaft trainiert. Mußte aber feststellen, dass ich noch Schmerzen hatte. Wir hatten eine sehr gute Stimmung in der Mannschaft und so war für mich klar, dass ich so lange bei der Mannschaft bleibe, wie wir im Turnier sind.“ Im Anschluß an das Ausscheiden des englischen Teams im Viertelfinale gegen Brasilien wurde die Mannschaft in London von Königin Elisabeth für ihre Leistung bei der Weltmeisterschaft 2002 geehrt.

Owen: „Die Weltmeisterschaft war ein herausragendes Erlebnis. Die Vorbereitung auf die Spiele. Die Anteilnahme und das Interesse meiner englischen Landsleute an unseren Leistungen bei den Spielen haben mich sehr bewegt. Ich war beeindruckt von der Größe und Bedeutung der Weltmeisterschaft. Meine Familie in Kanada, meine Verwandtschaft in England, alle waren vor den Spielen voller Erwartung und Freude und haben mir und der Mannschaft nur das Beste gewünscht. Die Wochen der Vorbereitung auf das Turnier und die Zeit in Japan und Süd Korea waren bislang meine größte sportliche Erfahrung.“

Europameisterschaft 2004 in Portugal
England qualifizierte sich als Tabellenerster direkt für die Europameisterschaft 2004 in Portugal. Mitte Mai 2004 gab England-Coach Sven-Göran Eriksson seinen Kader für die Euro bekannt. Owen war wie bei der WM 2002 unter den 23 Spielern, die für England nominiert wurden. Nach der WM 2002 war die EM 2004 bereits das zweite große Turnier in Owens Karriere. Die Engländer spielten in der Gruppe B gegen Frankreich, Kroatien und die Schweiz. Schon das erste Spiel gegen den amtierenden Europameister Frankreich zeigte, dass sich Owen und die englische Nationalmannschaft Hoffnung auf ein erfolgreiches Turnier machen konnten. England dominierte das Spiel und erst zwei Tore von Zinedine Zidane in der Nachspielzeit sorgten für den glücklichen 2:1-Erfolg der Franzosen. Owen wurde in der 76. Minute für Paul Scholes eingewechselt und kam zu seinem ersten EM-Spiel.

Im zweiten Spiel gegen die Schweiz wurde klar, dass man die bittere Niederlage gegen die Franzosen gut verkraftet hatte. Mit 3:0 besiegte England die Eidgenossen. Dabei machte Owen sein zweites Spiel. Nach 70 Minuten kam er wieder für Paul Scholes und bereitete das zweite und dritte Tor mit vor. Jetzt rechneten die englischen Medien, dass Owen im letzten Gruppenspiel in der Startaufstellung stehen würde. Leider erkrankte Owen und musste vier Tage im Bett bleiben. Er schaffte es gerade noch rechtzeitig zum Spiel einigermaßen gesund zu werden. Im abschließenden Gruppenspiel gewann das Team von Sven-Göran Eriksson mit 4:2 gegen Kroatien und qualifizierte sich als Gruppenzweiter fürs Viertelfinale.

Im Viertelfinale traf England auf Mitfavorit Portugal. Das Spiel gegen den Gastgeber war eines der besten und spannendsten Spiele des Turniers. Erst im Elfmeterschießen konnte Portugal England mit 8:7 besiegen. Nach 90 Minuten stand es 1:1. Michael Owen brachte England in der 3. Minute in Führung. In der 83. Minute konnte der Gastgeber ausgleichen. In der Schlussminute wurde England ein Treffer aberkannt. Owen spielte ab der 82. Minute und bereitete mit einem beherzten Solo den Freistoß vor, der zur vermeintlichen Führung durch Sol Campbell führte. Einhellig wurde festgestellt, dass es eine knappe, aber nachvollziehbare Entscheidung vom Schweizer Schiedsrichter Urs Meier war, den Treffer für England nicht zu geben.

In der Verlängerung ging dann Portugal in Führung. Fünf Minuten vor dem Ende sorgte Frank Lampert für das 2:2. Die Entscheidung musste im Elfmeterschießen fallen. Nach sieben Strafstößen für jedes Team stand Portugal als Gewinner fest. David Beckham verschoss gleich den ersten Elfer für England. Bei Portugal traf Rui Costa als dritter Schütze nicht. Owen entschied sich den fünften Strafstoß zu schießen. Mutig und entschlossen verwandelte Owen ins rechte Eck. Am Ende hatte England fünf Mal und die Portugiesen sechs Mal getroffen.

Owen sagte unmittelbar nach dem Match: „Ein unglaubliches Spiel. Dieses Spiel bedeutet mir sehr viel. Das Elfmeterschießen war ein emotionaler Höhepunkt in meiner Karriere. Ich bin unglaublich enttäuscht über die Niederlage. Wir haben sehr gut gespielt und sind unglücklich ausgeschieden. Wir haben eine gute Mannschaft. Wir werden weiter daran arbeiten, einen Titel für England zu gewinnen. Das Quäntchen Glück, das eine erfolgreiche Mannschaft braucht, wird zu uns kommen, da bin ich mir sicher.“

Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland
Das WM-Jahr 2006 begann denkbar schlecht für Owen. Nach dem er voller Elan aus dem Weihnachtsurlaub zurückgekehrt war, stellten sich zu Beginn der Rückrunde wieder die altbekannten Leistenprobleme ein. Am 3. Februar musste er operiert werden und fiel sechs Wochen aus. Ende März gab Owen sein Comeback und hatte nicht mehr viel Zeit, sich in den englischen Kader zu spielen. Doch schon nach wenigen Partien hatte er seine Bestform erreicht und auch die Scouts von der Insel überzeugt.

Als Sven-Göran Eriksson am 8. Mai den WM-Kader der Engländer bekannt gab, war auch Owens Name dabei. In der englischen Presse fand diese Entscheidung wenig Gegenliebe. Die Boulevard-Blätter kannten mit dem Spieler des FC Bayern kein Pardon. Der „Daily Mirror“ schrieb über Owens Nominierung: „Sein Platz im Flugzeug sollte besser jemand anderes haben. England wäre ohne ihn besser dran.“ Und „The Sun“ verglich Owens „öffentliches Ansehen“ mit dem „eines Massenmörders“. Das Blatt spottete, dass Owen „bei jedem WM-Spiel einen Hattrick erzielen und ein Heilmittel gegen Grippe erfinden müsste“, um bei der Wahl zum Sportler des Jahres unter die Topten zu kommen.

Diese Medien-Kampagne zeigte vor allem bei den Fans Wirkung. In den Vorbereitungsspielen sowie beim WM-Auftakt am 10. Juni gegen Paraguay wurde Owen bei seiner Einwechslung ausgepfiffen. Owen ließ sich davon nicht beirren und zeigte im Training und in den Spielen, dass er zu Recht zum Kader gehörte. Trainer Eriksson schenkte Owen das Vertrauen und ließ ihn im dritten Gruppenspiel nach Siegen gegen Paraguay (1:0) und Trinidad & Tobago (2:0) zum ersten Mal 20. Juni gegen Schweden am von Beginn an ran.

Owen rechtfertigte seinen Einsatz als defensiver Mittelfeldspieler und ließ die letzten Zweifler verstummen. „The Sun“ schrieb in der Einzelkritik über ihn: „Großartiger Auftritt in seinem ersten Spiel von Beginn an seit 2 Jahren. Er erfüllte seinen Aufgabenbereich, gewann Zweikämpfe, konnte den Ball verschieben und gab dem Team Sicherheit. Es wird nun schwer sein, ihn draußen zu lassen.“

Im Achtelfinale am 25. Juni gegen Ekuador stand Owen erneut in der Startelf und bewies auch als rechter Verteidiger seine Klasse. Die Partie in Stuttgart wurde mit 1:0 gewonnen und England traf im Viertelfinale auf die Portugiesen, gegen die man im EM-Viertelfinale zwei Jahre zuvor unglücklich im Elfmeterschießen gescheitert war.

Das Spiel fand am 1. Juli in Gelsenkirchen statt und wie schon zwei Jahre zuvor sorgte wieder das Elfmeterschießen für die Entscheidung. Nach 120 Minuten stand es noch 0:0, obwohl England nach einer Roten Karte gegen Wayne Rooney die Hälfte der Partie mit nur zehn Mann agierte. Bei den Penaltys konnte außer Owen kein andere englischer Spieler verwandeln, Portugal gewann mit 3:1 und stand erneut im Halbfinale.

Nach dem Spiel war Owen untröstlich. „Es ist eine Schande, dass wir jetzt nach Hause fahren“, sagte er. In seinem besten Länderspiel hat Owen alles getan, was in seiner Macht stand. „Fußball ist manchmal hart. Wir waren so nah dran und hätten das Spiel gewinnen können“, war sich Owen sicher. Die Auszeichnung zum „Man of the Match“ konnte ihn über die Niederlage nicht hinwegtrösten. Zumindest die Zuneigung der Fans, die immer wieder sangen: „There is only one Owen Hargreaves“, half ihm an diesem bitteren Tag etwas weiter.

Auch die englische Presse war nach der Partie Fan von Owen. So schrieb der „Daily Mirror“ über seinen Auftritt gegen Portugal: „Hargreaves war in Gelsenkirchen übermenschlich. Seine Energie und sein Verlangen war eine Inspiration für alle, die ihn sahen. Es war die beste WM-Leistung eines englischen Spielers seit Paul Gascoigne beim Turnier 1990 England ins Halbfinale führte.“

Nach dem Turnier wurde Owen von den Fans zum besten englischen WM-Spieler gewählt, eine Auszeichnung, die ihn unheimlich stolz machte. Ebenso wie die Einladung, die auch auf die WM-Verdienste zurückzuführen ist, im Dezember als Pate zur Gala zum Sportler des Jahres zu kommen. Das verrückte WM-Jahr 2006 endete somit für Owen mit einem grandiosen Abschluss.